Für junge Familien: Beten mit Kindern, aber wie?

In den ersten Lebensjahren eines Kindes stellt sich für Eltern die Frage nach der religiösen Erziehung und wie sie praktiziert werden kann. Entscheidend sind die Vorerfahrungen der Eltern. Erlebten die Eltern in der Herkunftsfamilie eine religiöse Erziehung? Wurde in der Familie gebetet? Gab es eine Anbindung an eine Kirchengemeinde?

Wer sich für eine religiöse Erziehung entscheidet, will nichts falsch machen. Eltern möchten, dass ihr Kind einen Gott erfährt, der Geborgenheit schenkt und  dem Leben Sinn gibt. Für die Auswahl von Gebeten ist dies das erste grundlegende Kriterium. So lohnt es sich zu fragen, ob dieses Bild des väter-/mütterlichen Gottes im Gebet vermittelt wird. Ein Bild, das nicht nur im Kleinkind- und Kindesalter, sondern durch die Pubertät hindurch das heranwachsende Kind begleitet. Beten ist somit einer der wichtigsten Bestandteile der religiösen Bildung und des Glaubens. Kinder  auf dem Weg des Gebetes und Glaubens zu begleiten, heißt auf die Fragen der Kinder eingehen:

·         Wem kann ich vertrauen, wer gibt mir Halt?

·         Wer ist da, wenn die Eltern nicht da sind?

·         Wem kann ich alles erzählen?

·         Wer fängt meine positiven, aber auch negativen Gefühle auf?

·         Wie komme ich mit mir ins Reine und kann so hoffnungsvoll und selbstbewusst durchs Leben                 gehen?

·         Wie und mit wem erfahre ich verlässliche Gemeinschaft?

Wenn wir diese Fragen betrachten, erkennen wir dass die Frage nach dem Beten mit meinem Kind weitere Entscheidungen in der Erziehung des Kindes beinhaltet:

Das Gebet ist eingebettet in die religiöse Bildung und geht unbedingt einher mit dem Erzählen biblischer Geschichten. Dieses „wie Gott ist“ wird näher beschrieben. Ein solides Bild von Gott und Jesus kann nur durch die Bibel vermittelt werden. Dabei sind auch hier die religiöse Einstellung und das Vorbild der Eltern gefragt. Mit Kindern beten gelingt am besten, wenn ich als Elternteil selber bete.

Als Erwachsener sollte ich mir dann die Frage stellen: Wenn ich bete, was erfahre ich im Gebet, wie bete ich? Die Gebetserziehung meiner Kinder ist auch für meine Religiösität eine entscheidende Frage. Als Glaubender fällt es mir mithin leichter mit meinen Kindern zu beten und freie Elemente des Bittens und Dankens einzufügen. Als zweifelnder Glaubender bin ich genau so eingeladen mich auf dem Weg des Gebetes mit Kindern zu machen.  Jesus selbst spricht uns Kleingläubigen im siebten Kapitel der Bergpredigt bei Matthäus Mut zu:

7 Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. 8 Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.
   9 Welcher ist unter euch Menschen, so ihn sein Sohn bittet ums Brot, der ihm einen Stein biete? 10 oder, so er ihn bittet um einen Fisch, der ihm eine Schlange biete? 11 So denn ihr, die ihr doch arg seid, könnt dennoch euren Kindern gute Gaben geben, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel Gutes geben denen, die ihn bitten! (Mt 7, 7-10)

Gebet heißt auch: Erkennen, dass ich nicht selber alles richten kann. Es ist entlastend, Schwieriges in die Hände Gottes zu legen. Jesus ist selbst ein Beispiel:

Er betet in der Nacht vor seinem Tod:

39 Und er ging hinaus nach seiner Gewohnheit an den Ölberg. Es folgten ihm aber seine Jünger nach an den Ort. 40 Und als er dahin kam, sprach er zu ihnen: Betet, auf dass ihr nicht in Anfechtung fallet!
   41 Und er riss sich von ihnen einen Steinwurf weit und kniete nieder, betete 42 und sprach: Vater, willst du, so nehme diesen Kelch von mir, doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe! Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel und stärkte ihn. (Lukas 22,39-42)

Das ist die erklärende Botschaft des Gebetes:

In der Stille erfahre ich: Es gibt ein Du, ein Gegenüber. Es wendet sich mir zu und geht eine Beziehung mit mir ein. Auch in aussichtslosen Situationen gibt Gott Kraft. Ein Gebet kann viele Facetten haben: vom schnell gesprochenen Stoßgebet: „Jesus hilf“  bis hin zum gut durchstrukturiertem Tagzeitengebet mit den alttestamentlichen Psalmen, aktuellen Fürbitten und  einer Rückschau des vergangenen Tages. In dieser Spanne bewegen sich Gebete zu Anlässen, zu bestimmten Zeiten des Tages, Segensgebete, Bitt- und Dankgebete, Meditationen…

Für Eltern kann die Vielzahl dieser Gebetsformen, die somit auch ein Quantum an Zeit benötigen, eher hinderlich in der Praxis des Familiengebetes sein.

Die Frage nach dem Zeitpunkt eines Familiengebetes ist für alle wertvoller als gedacht. Eine gute Zeit ist mit ausschlaggebend für die Qualität. Ein Kind liebt feste Zeiten und damit einhergehend feste Rituale, die damit verknüpft sind. Wertvoll wird das Beten durch die Stille, das Hineinhorchen in die eigene Befindlichkeit, der Aspekt  der Gemeinschaft und Solidarität, wenn auch für andere gebetet wird…

Dann fällt auch die Wahl des Gebetes nicht mehr schwer: eine einfache Sprache, nicht vereinnahmend, ein Gebet, das echt in der Wortwahl ist, nicht verkitscht  oder eine kirchensprachliche Schwere aufweist… Auch das Vater Unser kann schon anfanghaft mit gebetet werden.

Bis zum zehnten Lebensjahr ist Gott derjenige für Kinder, der unmittelbar in das menschliche Leben eingreifen kann; Wunder sind jederzeit möglich. In dieser Phase bieten sich Segensgebete an:

Segen: Gut ist eine Berührung, z.B. die Hand auf den Kopf legen, ein kleines Kreuzzeichenauf die Stirn zeichnen, an die Hände fassen und sagen: Gott hat dich lieb…,Gott schütze dich…,
Gott sei mit dir auf deinem Weg…

Gut formulierte Kindergebete gibt es bei:

www.st-pirmin-st-michael.de/attachments/article/8/kindergebete.pdf

Segensgebete:

www.kinderkirche.de/themen/gebet/segensworte.htm

Im Jugendalter sollten Gebetsformen angeboten werden, die mit eigenen Worten gefüllt werden. Sie können Lebenshilfe geben. Auch Gebete bekannter Persönlichkeiten oder Gebetstexte, die poetisch und meditativ sind, werden gerne gewählt.  Diese Gebete sprechen von einem Gott, der Trauer und Freude mitträgt. Er ist Freund und  hat Verständnis. Ein Gott mit dem ich mein Leben und meine Entscheidungen durchgehe und  abwäge.

 

Annette Geers     

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