Katechetische Seite

Emmaus

Emmaus

Kennen Sie Emmaus? Da gewesen ist wohl von uns bislang kaum einer, aber vielen sagt dieser Ortsname trotzdem was. Emmaus, das ist ein kleiner Ort, etwa 11 km von Jerusalem entfernt. Die biblische Entfernungsangabe betrug umgerechnet „60 Stadien“. In einem gut zweistündigen Fußmarsch zu erreichen. Auf eben diesem Weg nach Emmaus befanden sich zwei der Jünger Jesu. Sie hatten sich viel zu erzählen und „sprachen über all das, was sich ereignetet hatte.“ Was war passiert? Es ist „der erste Tag der Woche“, am frühen Morgen des Tages waren Frauen zum Grab Jesu gegangen, um seinen Leichnam zu salben. Aber diese, so erzählen sie, bekommen gesagt: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden!“ Die beiden Jünger auf dem Weg nach Emmaus haben sich also einiges zu erzählen.

Es hatte doch alles so vielversprechend mit diesem Jesus angefangen. Seine begeisternden Worte, seine wundervollen Taten, seine geisterfüllte Art. Doch das schien alles aus und vorbei. Schließlich war er vor rund drei Tagen gekreuzigt worden und schmählich am Kreuz den qualvollen Tod mitten unter Verbrechern gestorben. Dann hatte man ihn beerdigt und im Grab bestattet. Es hatte sich also erledigt, die Sache mit diesem Jesus. Die Hoffnung, in ihm den Messias gefunden zu haben schien begraben. Die Erwartungen, dass sich mit ihm großartiges ereignet, hatten sich wohl zerschlagen. Alles aus und vorbei. Also brechen sie auf, machen sich nach den Rückschlägen auf den Rückweg. Bloß weg. Alles beunruhigend, was da vorgefallen war. Und dazu die Gerüchte und Nachrichten des frühen Morgen vom leeren Grab.

Wie mag es diesen beiden wohl gegangen sein? Mit welchen Gefühlen sind sie auf dem Weg? Welche Gedanken beschäftigen sie? Vielleicht lohnt es sich, sich einmal selber in einen der beiden Emmaus-Jünger hineinzuversetzen: Machen wir nicht auch immer wieder ganz ähnliche Erfahrungen? Beunruhigen uns nicht auch manchmal Meldungen und Nachrichten? Sind wir nicht auch öfter enttäuscht von Jemandem, auf den wir große Hoffnungen gesetzt haben und nun uns bitter enttäuscht fühlen? Wollen wir nicht auch manchmal alles hinter uns lassen, was war, weil es so aussichtslos scheint? Bloß weg...

 

Die beiden Emmaus-Jünger kehren Jerusalem den Rücken, gehen weg, wenden sich ab. Das erfahren wir bei uns auch, im persönlichen Umfeld, in Gemeinde und Kirche, dass Menschen aufgeben und sich abwenden.

Immerhin reden sie miteinander, tauschen sich aus. Fressen zumindest den Frust nicht allein in sich hinein. Reden miteinander statt nur übereinander.

„Doch sie waren wie mit Blindheit geschlagen.“ Erkennen nicht, was passiert. Haben keinen Blick für die Realität, die so realitätsfern scheint. Vielleicht weil nicht sein kann was nicht sein darf? So geblendet von dem, was sie bedrückt, dass ihnen entgeht, was und wer da grad ist. Immerhin vertrauen sie ihm, öffnen sich seinem Fragen. Fühlen sich ernst genommen in ihrer Sorge und Not, dass sie sich vom Herzen reden, was sie bedrückt. Finden ein Ohr, das zuhört. Einen, der mitgeht. Lassen sich sagen und erklären, was da vor sich geht. Sie spüren: Ich bin nicht allein in meinem Fragen, in meinen Sorgen und mit dem, was mich bedrückt. Ein Funke Hoffnung ist spürbar.

So bitten die beiden Emmaus-Jünger den bis dahin Unbekannten: „Bleib doch bei uns!“ Sie wünschen sich Beistand, sehnen sich nach bleibender Nähe. Spüren: Da ist noch mehr, da gibt es Tieferes, Verbindendes. Obwohl sie noch immer nichts Genaues wissen, bitten sie, dass ER bleiben möge.

Dann halten sie Mahl, sie essen zusammen. Das schenkt Gemeinschaft. Wie selbstverständlich hat er den Vorsitz beim Mahl, spricht den Lobpreis und bricht das Brot. Und dann erst erkennen sie IHN: Als er das Brot brach,

„da gingen ihnen die Augen auf.“

Jesus war die ganze Zeit an ihrer Seite. Nur oft anders als erwartet. Unerkannt, kaum spürbar. Erst im Brotbrechen kommt die Erkenntnis.

Es braucht solche kleinen Momente, die so tief gehen, dass sich da die Erkenntnis Bahn bricht. Dass einem das Licht aufgeht, da   wo man vorher wie mit Blindheit geschlagen war. So ein Moment ist die Eucharistie für uns bis heute: In dem kleinen Stück Brot erkennen wir IHN. Da ist er bleibend bei uns. Schenkt Gemeinschaft – Kommunion – im Heiligen Mahl. Jede Kommunion ein kleines Ostern, jede Eucharistie ein kleines  Osterfest.  IHM  dürfen wir uns da immer anvertrauen. Auf seinen  Beistand  hoffen  und sein Erbarmen anflehen wie im Kyrie. Ihm unsere Bitten und Sorgen mitteilen wie bei den Fürbitten. Mit ihm Mahl halten wie  am Altar. Mit ihm das Brot teilen wie in der Eucharistie. Durch die Begegnung mit ihm gestärkt unseren Weg fortsetzen wie mit dem Segen am Ende der Messe.

Die Emmaus-Jünger können mir – und vielleicht auch uns  – solche österlichen Freudenboten sein. Daher habe ich die Emmaus-Geschichte als Motiv auf  meinem  Primiz-Gewand;  darum  ist mein Primiz-Spruch der Emmaus-Perikope bei Lk 24,32 entnommen: „Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete?“

Brennende Herzen spüren, oft brennend vor Sorge und Kummer wie zuerst bei den Emmaus-Jüngern. Aber sie öffnen ihr Herz, schütten ihr Herz aus. Der Verstand kommt noch nicht mit, aber das Herz spürt: da ist etwas, da ist Jemand, der bewegt das Herz.

Spüren und erfahren Gemeinschaft. Sie sind gemeinsam auf dem Weg. Haben Weggefährten. Andere Menschen, die mitgehen. Aber vor allem ein anderer, der oft unerkannt mitgeht. Aber der da ist: Jesus ist an ihrer Seite, Gott ist mit auf ihrem Weg. Durch Höhen und Tiefen, nicht nur nach Emmaus. Ostererfahrung ist möglich. Das Licht des Glaubens strahlt auf ihrem Weg, zeigt neue Wege auf, macht neuen Aufbruch möglich, verändert. Nachdem sie im Brotbrechen den Gekreuzigten als den Auferstanden erkennen. Selbst als sie ihn dann nicht mehr sehen gibt es doch Kraft, neu und mutig aufzubrechen, umzukehren und neue Hoffnung zu schöpfen. Ostern.

Solche Ostererfahrungen wie sie die Emmaus-Jünger machen wünsche ich Ihnen und mir!

Ihr und euer Pfarrer Christoph Konjer

Zum Nachlesen: Lk, 24,13-35

 

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