Kirchenserie

Ein wichtiger zentraler Ort in jeder katholischen Kirche ist der Tabernakel. Er dient zur Aufbewahrung der Eucharistie. Katholiken glauben an die bleibende Realpräsenz, also an die wirkliche Gegenwart Gottes im gewandelten Brot der Eucharistie. Nach der Wandlung durch den Priester auf dem Altar während der Eucharistiefeier in der Messe wird ehrfurchtsvoll mit den so geweihten bzw. gewandelten Hostien umgegangen, in denen wir den Leib Christi empfangen können. Das ewige Licht in der Nähe des Tabernakel steht ebenso für diese Gegenwart Gottes.

St. Georg, Stolzenau

Das Wort Tabernakel kommt vom Lateinischen „tabernaculum“ und bedeutet „Hütte, Zelt“. Der Ursprung des Tabernakel dürfte auf die Bundeslade der Stiftshütte zurückzuführen sein, in der die Gesetzestafeln der Juden auf- bewahrt wurden. Diese Tradition hat sich im Judentum fortgesetzt mit dem Thora-Schrein, in dem die Schriftrollen der Thora aufbewahrt werden.

St. Ursula, Uchte

In der Tradition der Kirche wurde das Allerheiligste zunächst in einer Nische im Chorraum der Kirche und seit der Gotik oft in einem sog. „Sakramentshaus“ in Form einer kunstvollen Stele aufbewahrt. Später in einem Nebenraum bzw. Seitenkapelle oder Sakrarium (Allerheiligstes). Bei den Hochaltären fand dann der Tabernakel häufig direkt hierauf seinen Platz. Später kam die Form eines Wandtabernakels hinzu.

Die Aufbewahrung der Eucharistie diente vor allem zur Kranken- und Sterbekommunion. Im Mittelalter kam die Schautradition hinzu, wie sie z.B. am Fronleichnamsfest deutlich wird.

St. Stephanus, Liebenau

Der Tabernakel ist äußerlich neben dem Ewigen Licht kenntlich durch seinen zentralen Platz und seine besondere Gestaltung. Hinzu kommt der Aspekt der Sicherheit, sowohl um die äußerlich wertvollen Hostienschalen und Monstranz zu schützen, als in erster Linie das Allerheiligste selbst zu schützen, da das gewandelte Brot der Hostie uns Christen so wertvoll ist, weil wir hierin die Gegenwart Gottes geschenkt bekommen.

Dies zeigen wir durch die Verehrung mit einer Kniebeuge vor dem Tabernakel und indem seine Gestaltung, Platzierung und Form zum Gebet einlädt, um sich so bewusst in die Gegenwart Gottes zu stellen. In Liebenau zieren den Tabernakel neben einem golden angedeuteten Kreuz sieben Steine. Die Siebener-Zahl steht für die sieben Gaben des Heiligen Geistes genauso wie für die sieben Sakramente.

St. Marien, Steyerberg

Den Steyerberger Tabernakel zieren zwölf helle Glassteine. Sie stehen für das himmlische Jerusalem. Vertieft wird dieses Symbolik durch die seitlich angebrachten Bronze-Leuchter mit insgesamt zwölf Kerzen. Sie stehen für die zwölf Tore Jerusalems und auch für die zwölf Stämme des Volkes Israel als auch für die zwölf Apostel.

In Stolzenau ist der Wandtabernakel in eine Stele eingelassen, die vom Boden bis zur Decke reicht und damit die Verbindung von Himmel und Erde andeutet. Geziert ist die Stele mit einem Weinstock mit Weinranken und Trauben und veranschaulicht die Verbindung zum Altarsakrament in Brot und Wein. Die Tabernakeltür zeigt Christus als Mann der Schmerzen, mit Dornen gekrönt in der Kelter. Es zeigt, das Jesus Christus seinen Leib und sein Blut für uns gegeben hat.

In Uchte sind auf der Tabernakeltür Brotkorb und Schale abgebildet, das Brot hierin ist kreuzförmig eingeschnitten.

So will die äußere Gestaltung versinnbildlichen, wofür der Tabernakel selbst steht und vor allem das, was darin aufbewahrt wird: Das Allerheiligste.

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