Ostertage

Ostertage

Mit der Feier der Heiligen Woche erreicht die Fastenzeit ihren Höhepunkt und mündet in das Osterfest. All diese Gottesdienste begehen wir in unserer Pfarrei gemeinsam und feiern abwechselnd an allen vier Kirchorten. Die ganze Pfarrei und alle Gäste sind eingeladen, mitzufeiern und äußerlich und vor allem innerlich mitzugehen.

Auftakt macht der Palmsonntag. Hier feiern wir den Einzug Jesu in Jerusalem. Ähnlich wie die Menschen Jesus mit Palmwedeln und grünen Zweigen zujubeln und ihn so freudig empfangen, halten wir eine Palmprozession. Wir versammeln uns zum Beginn auf dem Kirchplatz vor dem Gotteshaus und hören die Evangelienstelle vom Einzug Jesu. Anschließend werden die Palmzweige gesegnet. Kinder sind eingeladen, bunte Palmstöcke zu basteln und mit- zubringen. Eigene Palmzweige können mitgebracht werden und in den Händen getragen werden. Seitens der Pfarrei werden wir Körbe mit frischen Buchsbaumzweigen bereitstellen, an denen sich die Gläubigen anschließend bedienen dürfen. Damit halten wir dann eine kleine Prozession durch die Straßen rund um die Kirche und ziehen mit Hosianna-Gesängen und Jubelrufen zur Messfeier ins Gotteshaus. Als Ausblick auf die Heilige Woche hören wir hier bereits eine erste Fassung der Passion, mit dem was Jesus Christus als Leidensgeschichte eben danach erwartet. Für die Kinder findet eine eigene kindgerechte Wort-Gottes-Feier im Gemeinderaum statt.

In der Heiligen Woche werden auch die Heiligen Öle in der Chrisam-Messe geweiht. Der Bischof nimmt dies in einer eigenen Liturgie im Dom vor und weiht die Öle für die Sakramentenspendung im ganzen Bistum. Dies drückt auch die Zugehörigkeit aller Christen und Gemeinden zum Bistum und zur Kirche aus: Katechumemenen-Öl, für die Taufbewerber; Chrisam, das bei Taufe und Firmung verwendet wird und das Kranken-Öl für die Feier der Krankensalbung. Bei uns im Bistum Osnabrück geschieht dies am Karmontag zum Abschluss des Treffens, zu dem unser Bischof alle Priester und Diakone zu einem Tag der Ein- kehr, des Gebetes und des Austausches einlädt.

Das große Triduum wird gebildet aus der Feier von Gründonnerstag, Karfreitag und Osternacht. Ein Merkmal ist beispiels- weise, dass die Gottesdienste zeitlich so gelegt sind, dass sie die Zeit der damaligen Geschehnisse berücksichtigen. Sie bilden eigentlich eine einzige Feier, die sich allerdings über mehrere Tage erstreckt. Zeichen dafür, dass es jedoch den großen inneren Zusammenhang und die Einheit dieses Triduums gibt, ist das Kreuzzeichen. Am Beginn der Liturgie zum Gründonnerstag die gewohnte Eröffnung mit dem Kreuzzeichen und erst am Ende der Osternacht erfolgt der Segen mit dem Kreuzzeichen. Gründonnerstag und Karfreitag enden ohne Segen und münden in Stille, Karfreitag und Osternacht beginnen unvermittelt ohne erneute Eröffnung oder Begrüßung mit Gebeten.

So wie Jesus sich mit seinen Jüngern zum letzten Abendmahl versammelt und die Eucharistie einsetzt, kommt auch die Gemeinde heute am Gründonnerstag am Abend zusammen. Langsam schwindet die Feierlichkeit, wenn zum Gloria ein letztes Mal die Orgel ertönt und die Glocken läuten, die dann erst einmal verstummen. In diesem Gottesdienst steht die Feier des Abendmahles im Mittelpunkt. Daher sind alle Gläubigen auch eingeladen, die Kommunion unter beiden Gestalten zu empfangen.  Neben dem Kommunionempfang in gewohnter Weise mit der Hostie, die wir als Leib Christi empfangen, wird der Kelch mit Wein gereicht. So können wir an beiden Gestalten Christi in Leib und Blut eben mit Brot und Wein in Hostie und Kelch teilhaben. Alle, die bereits gefirmt sind, sind eingeladen, zum Kelch hinzuzutreten, ihn gereicht zu bekommen, um entweder einen kleinen Schluck daraus zu trinken oder die zuvor empfangene Hostie darin einzutauchen und dann zu verzehren. Ein weiteres Zeichen spielt am Gründonnerstag eine wichtige Rolle, die Fußwaschung. Symbolisch werden auch heutzutage vom Priester Gläubigen die Füße gewaschen. Die dienende Zuwendung Jesu soll so zeichenhaft ausgedrückt werden. Die Feier des Abendmahles endet dann mit der so genannten Altarverwüstung. Der Altarraum wird weitestgehend leergeräumt bzw. wüst hinterlassen. So soll die Verlassenheit Jesu ausgedrückt werden, als seine Jünger erst beim Gebet einschlafen und anschließend bei der Verhaftung fliehen und ihn verleugnen. Die liturgische Feier mündet dann in die Ölbergwache. Wie Jesus wachend und betend die Nacht am Ölberg im Garten Getsemani verbracht hat, wird von der Gemeinde eucharistische Anbetung gehalten. Auch wenn Altar und Tabernakel leer und verwaist sind, wird das Allerheiligste an einen extra Ort in der Kirche übertragen. Mit Jesus wollen wir wachen und beten gerade auch angesichts von Leid und Verlassenheit.

Am Karfreitag setzt sich der Gottesdienst am Nachmittag fort. Zur Todesstunde um 15:00 Uhr wird in der Liturgie vom Leiden und Sterben des Herrn seines qualvollen und schmerzhaften Todes gedacht. Ganz ohne Feierlichkeit und Schmuck, ohne Glocken und Musik. Ein stiller, schlichter und doch bemerkenswerter Gottesdienst. Die ganze Passionsgeschichte wird in verteilten Rollen gelesen. Ein verhülltes Kreuz wird schlicht aber doch eindrucksvoll in die Kirche getragen und mit dreimaligen Rufen enthüllt. Das Kreuz steht so äußerlich und innerlich im Mittelpunkt. Zur Kreuzverehrung sind alle eingeladen, einen kleinen Blumengruß mitzubringen und das Kreuz ganz persönlich zu verehren und zu grüßen. Sei es durch Kniebeuge, Verneigung, vielleicht sogar durch Berührung oder sogar einen Kuss...

Der Karsamstag ist der Tag der Grabesruhe. Es darf z.B. keine Eucharistie oder Trauung gefeiert werden, alles im Zeichen und zum Gedenken, dass Jesus gestorben und begraben wurde und drei Tage im Grab gelegen hat. Lediglich die Segnung der Oster- speisen wirft schon ein Licht auf das, was dann an Ostern gefeiert wird.

Der Ostersonntag beginnt mit der Feier der Osternacht. Im Dunkel der Nacht versammelt sich die Gemeinde, um die Feier der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus zu begehen. So wie jeder Sonntag bereits am Samstag (Sonnabend!) mit der Vorabendmesse eingeläutet wird, ist die Osternacht der Auftakt zum Ostersonntag. Mancherorts am frühen Morgen, feiern wir am Abend nach dem Einbruch der Dunkelheit. Das Licht der Auferstehung überstahlt das Grab und das Dunkel des Todes wird so lebendig erfahrbar. Draußen in dunkler Nacht vor der Kirche versammelt sich die Gemeinde am Osterfeuer. Hier wird die Osterkerze verziert, gesegnet und entzündet. Das Licht Christi – lumen Christi – begrüßt die Gemeinde dann im Kircheninneren, das dann langsam vom sich verbreitenden Licht der Osterkerze heller wird. Die Gläubigen können hierzu eigene Kerzen mitbringen oder Osterkerzen der Kirche erwerben. Im Kerzenschein des Osterlichtes hören wir dann ausführlich biblische Lesungen, die von den großen Heilstaten Gottes an seinem Volk erzählen. Zum Gloria bricht sich die große Freude dann Bahn: Die Orgel ertönt feierlich erneut, die Glocken läuten, die Messdiner klingeln und im Gotteshaus wird im dann angehenden elektrischen Licht noch sichtbarer der Osterschmuck von neuen Kerzen, weißen Decken, Blumen und festlichem Schmuck. Beispielweise finden für den österlichen Blumenschmuck in allen unseren vier Kirchen, vor allem aber für die Osternacht die Blumen Verwendung, die am Karfreitag

zur Kreuzverehrung mitgebracht wurden. Das Osterwasser im Taufbrunnen und in den Weihwassergefäßen wird gesegnet. Die Gläubigen begehen feierlich Taufgedächtnis oder es ist sogar der passendste Zeitpunkt für eine Tauffeier. Durch die eine Taufe haben wir alle als Christen Anteil an Tod und Auferstehung Jesu, Gemeinschaft mit dem  Gott  unseres  Lebens  und die Zusage und Verheißung des ewigen Lebens, das wir an Ostern feiern, weil Jesus uns dazu das Tor geöffnet hat. Im Asperges werden wir daher mit dem Weihwasser als Tauferinnerung besprengt und die seit dem Gründonnerstag bewusst leeren und trockenen Weihwassergefäße an den Türen werden wieder gefüllt. Festlich und feierlich hält die Gemeinde Eucharistie, die bleibende Zusage der Gegenwart unseres Gottes.

Mit dem großen Schlusssegen schließt das Triduum und das Osterfest geht mit der Feier des Ostersonntages und in einigen Ländern wie bei uns mit dem Ostermontag weiter. Zu diesem zweiten Feiertag habe ich persönlich eine ganz besondere Beziehung. Mein Primizspruch stammt aus dem Emmaus-Evangelium, das immer am Ostermontag gelesen wird, auch mein Primizgewand zeigt diese Evangelienstelle.

Die Osteroktav geht noch bis zum Sonntag drauf. Eben als Oktav, als achttägiges Fest begehen wir Ostern eine ganze Festwoche lang. So lange trugen die Neugetauften ganz früher ihr weißes Taufkleid, daher hat der folgende Sonntag als Weißer Sonntag bis heute seinen Namen, der seit einiger Zeit auch Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit begangen wird.

Die ganze Osterzeit geht dann 50 Tage bis zum hohen Pfingstfest, an dem wir die Ausgießung und Zusage des Heiligen Geistes feiern.

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